Eine
rüstige Hundertsiebzigjährige in neuem Glanz
Das
"Haus der Kultur" nimmt einen vornehmen Platz auf der
Visitenkarte Bürdens ein.
Vor
rund zehn Jahren trat die "Amicale Bierden" an die Verantwortlichen der Gemeinde
Erpeldingen mit der Bitte heran,sie sollten die alte Scheune in der "rue de
l'Eglise", die der Familie Steichen gehörte, erwerben und den Vereinen
der Ortschaft zur Ausübung ihrer Tätigkeiten zur Verfügung stellen.
Die Idee nahm ihren Lauf.
Um der schnellen demographischen Entwicklung in der Ortschaft Bürden gerecht
zu werden, nahmen die politischen Gemeindeverantwortlichen um Bürgermeister
Ernest Rassel sich dieses Ersuchens an.
Um das Gebäude mehr
oder weniger in seinem früheren Baustil zu erhalten und um es vor dem totalen
Verfall zu schützen, - die Familie Steichen-Rauchs bemühte sich nicht
um eine eventuelle Nutzung der Scheune- suchte der Gemeinderat Herrn Félix
Steichen auf, um ihm ihr Interesse an dem Gebäude zu bekunden. Der Besitzer
war nicht abgeneigt, es zu verkaufen, sofern man sich über die Höhe
des Preises einigen könnte.

Vorderfront der Scheune "A Maesch" (1834) mit dem Nebengebäude
der Dorfmolkerei (1922)
Nach längerer Beratung
über den Ankauf der Scheune, die auf das Jahr 1834 zurückgeht, beschloß
der Gemeinderat am 4.November 1994 mit sieben Stimmen gegen eine Ablehnung und
eine Enthaltung, das vorerwähnte Bauwerk zu erwerben. Er beschloss nun
ein Kulturzentrum in Bürden zu errichten.
In den vergangenen Jahrzehnten
hat die Sektion Bürden eine schnelle Entwicklung durchgemacht und zählt
mehr als 451 Einwohner. Dank dem Umstand, daß zahlreiche Hektar Land innerhalb
des Bauperimeters liegen, sind weitere Bauprojekte vorgesehen. So ist es verständlich,
daß die Gemeindeväter ihren Verpflichtungen gegenüber den Bürgern
nachkommen müssen, indem sie hauptsächlich ein modernes und zweckmässiges
Kulturgebäude zur Verfügung stellen.
Nach einigen Verhandlungen
kam der Eigentümer der Scheune der Gemeindeverwaltung sehr entgegen, und
beide Parteien konnten sich auf einen annehmbaren Preis von sechs Millionen
Franken (148736,11 Euro) einigen. Am 7.Juni 1996 wurde die notarielle Urkunde
von den vertragschließenden Parteien unterschrieben.
Am 2.April 1999 wurde
dem Um- und Ausbau definitiv im Gemeinderat zugestimmt und am 15.Juli 1999 von
den Obrigkeiten genehmigt. Im November 1999 wurden die Arbeiten von dem Unternehmer
Armando Miotto aus Erpeldingen in Angriff genommen. Nach jahrelanger sorgfältiger
Planung steht dieses Projekt nun am Anfang seiner Realisierung.
Mit
dem Abriß der Brennerei wird der Um- und Ausbau des fast 170 Jahren alten
Gemäuers "A Mäsch" zu einem modernen Kulturhaus hergerichtet. Herrn
Félix Steichen-Rauchs war es ein Anliegen, daß das Bauwerk in öffentliche
Hand kommt und ein Projekt für die Allgemeinheit entsteht. Mit dieser Renovierung
und dem Ausbau der alten Scheune sowie der stillgelegten Dorfmolkerei (errichtet
1922), verwirklichen die Gemeindeverantwortlichen ein ambitiöses
Projekt.
Das alte Gemäuer
mit Leben erfüllen
Gemäß
den Plänen von Architekt Georges Theis, der als Sieger aus dem Architektenwettbewerb
hervorging, ist das Gebäude mit dem Gesicht zum Licht gebaut. Wenn die
Sonne im Süden ihren Lauf nimmt, hat sie die Glasfronten im Visier.
Das Gebäude begreift
ein Erdgeschoss und ein erstes Stockwerk. Der Eingang, der über eine Treppe
erreichbar ist, liegt in der "rue Impasse du Berger". Nun gelangt der Besucher
ins Erdgeschoss. Er steht in einem lichtdurchfluteten Gebäude. Auf dieser
Ebene befinden sich ein Café mit 30 Sitzplätzen sowie ein Café
Thématique, ein Ausstellungsraum, ein Versammlungsraum, der auch als
Kunstgalerie hergerichtet werden kann, plus eine Kochnische mit Ausschank, Sanitärräume
und eine Abstellkammer. Die Anlage einer Zentralheizung sorgt für eine
umweltgerechte Wärmeversorgung. Über ein Nahwärmenetz sind die
bestehenden Gebäude wie auch die Kapelle und die alte Schule in das Wärmeversorgungskonzept
mitaufgenommen worden.

Vordefront des neuen "Maison culturelle" mit der renovierten Dorfmolkerei.
Im ersten Stockwerk
ist ein Mehrzwecksaal eingerichtet worden,der auf regionaler Ebene für
Konzerte, Kabarett- und Theateraufführungen, Empfänge, Kolloquien,
Banketts und Gemäldegalerie genutzt werden kann. Des weiteren sind auf
dieser Ebene Haupt- und Nebeneingänge, ein Sanitärblock für die
Allgemeinheit, Kochnische mit Lastenaufzug sowie ein Ausschank zu finden. In
der Planung ist ebenfalls berücksichtigt worden, daß das Kulturzentrum
und dessen Räume für Personen, die an den Rollstuhl gebunden sind,
erreichbar sind.
Außerhalb dieses
Gebäudes befinden sich eine Terrasse mit Blick auf die Fuussebaach und
der nötige Parkraum für Besucher. Auch einige Behindertenparkplätze
sind vorhanden.
Die externe Rampe
Dank
der topographischen Gegebenheiten des Geländes ist das Stockwerk auch über
eine externe Rampe zu erreichen, auch führt ein Weg von der "rue de l'Eglise"
zum Erdgeschoss. Dies ermöglicht behinderten Personen einen bequemen Zugang
zu dem Kulturzentrum und erleichtert die Räumung des Gebäudes im Brandfall.
Im Außenbereich,
der zur Grünzone des Areals gehört, finden die Kinder Platz zum Spielen.
Der Spielplatz auf der Grünfläche läßt eine parkähnliche
Atmosphäre aufkommen. Für die Fertigstellung des Gebäudes mit
den angrenzenden Grünflächen ist ein Kredit von 500000 Euro im Budget
2004 vorgesehen.
Der Standort des renovierten
Gebäudes, erklärt sich dadurch, daß dies die einzige geeignete
Stelle ist, wo die für jeden Besucher leicht zu finden ist. Der Standort
trägt aber auch zur raschen Integration der neuen Einwohner sowie zur Vitalisierung
der ganzen Ortschaft bei.
Nach den umfassenden
Renovierungsarbeiten ist das Kulturzentrum nach heutigen Gesichtspunkten zu
einem bleibenden Denkmal Bürdener Kunstpflege geworden.
In
diesem Jahr 2004 wird die Scheune "A Mäsch" 170 Jahre alt. Sie wurde
im Jahre 1834 von dem damaligen Eigentümer Richard Elsen-Gengler errichtet.
Sie erlebte die Revolution, den Ersten Weltkrieg, die braune
Diktatur, die in den Zweiten Weltkrieg mündete, den totalen Zusammenbruch
1945, den Wiederaufbau, unseren hohen Lebensstandard mit seinem Anspruchsdenken.
Dieser lange Zeitraum, ein Spiegelbild des menschlichen Lebens, zeigt einen
steten Wechsel von Unrast, Enttäuschung und Frieden, weckt aber auch Hoffnung
und Vertrauen in eine lebenswerte Zukunft.
Michel
Wilhelm
Juli 2005
A Maesch am Joer 1998

1998-03-01

1998-03-03

1998-03-04

1998-03-05