|
Manifestations régionales
en collaboration avec
www.islekerart.org
|
|
|
|
|
Der Familienname MEISCH
(Emile ERPELDING)
Der Familienname MEISCH und seine verwandten
Formen gehören zu einer nicht unwichtigen Kategorie von Familiennamen, die aus
uralten, Ämtern entstanden sind. Als solche kennen wir SCHEFFEN aus Schöffen
[vgl. auch den Hausnamen 'Schäffches' z.B. in Niederpallen], SÖNNEN aus Kirchensinner
oder Sendsehöffe, PROBST aus Propst, d.h. Vorsteher einer Kirchengemeinde oder
eines weltlichen Bezirks (Propstei, prévôté).
Der Name MEISCH ist aus der Bezeichnung Meier entstanden. Der Meier oder Hausmeier
('majordomus') hatte ursprünglich unter den Merowingern (VI.-VII.Jahrhundert)
eine hohe Stellung bei Hof inne. Es waren die Hausmeier, welche den letzten
Merowingerkönig stürzten und das Geschlecht der Karolinger, deren bekanntester
Vertreter Karl der Grosse war, gründeten.
In späteren Zeiten, etwa ab dem X. Jahrhundert, amtierte der Meier als Verwalter
eines herrschaftlichen Gutes, eines Meierhofes, dem die Hintersassen ( = Beisassen,
von Herrschaftsherrn abhängige Bauern) zu Abgaben und Leistungen verpflichtet
waren. Der Meier hatte im Auftrag des Grundherrn das Recht der niederen Gerichtsbarkeit.
Zusammen mir den Schöffen hielt er jedes Jahr das Jahrgeding ab.
Im Laufe der Zeit wurden neue Meierhöfe gegründet. Der Meier galt als Erbpächter
und späterer Besitzer. Er war der Vertreter des Herrschaftsherrn, so dass in
jedem Ort ein, oft sogar zwei Meier dieses Amt ausübten, wenn zwei verschiedene
Herrschaften sich die Grundrechte teilten.
Auf diese Weise gab es viele Meier und es ist zu verstehen, dass die von diesem
Amt abgeleiteten Familiennamen zu den häufigsten in unserm Lande gehören. Die
geläufigsten Formen sind MEIER, MEIERS, MEYER, MEYERS, MEYRER, MAJERUS als latinisierte
Form, sowie die grosse Zahl der Meier mit einer Artbezeichnung als Vorsatz wie
ALTMEYER, BRIMEYER, FEDERMEYER, DENNEMEXER, KETTENMEYER, KERSCHENMEYER, NEUMAIER
und zahlreiche andere. Übrigens stellen die typischen Luxemburger Familiennamen
BURMER, BURMESCH und GROMMES, GROMMESCH Verkürzungen aus vergleichbaren Artbezeichnungen
BURGMEIER und GRUNDMEIER dar. Jean ENSCH hat die Verteilung des Namens B(0)URGMEYER
in seinem Artikel über den Namen BOURG eingehend untersucht [vgl. Genealogische
Bibliographie 107, FF 12, S.38.]
Als in unsern Ortschaften, so um das XV. Jahrhundert, sich die Familiennamen
herausbildeten, wurde der Meier mit seiner Amtsbezeichnung benannt. Es entstanden
viele verschiedene Schreibweisen, die selbstverständlich für eine Einzelperson
ändern können: MEIER, MEYER, MAIER, MAYER. Zur Abwechslung gab der Pfarrer einem
andern Meier seinen Namen in lateinischer Übersetzung, Dann laute-te der Familienname:
MAJERUS, MAJERES oder MAJERY.
Der von der Amtsbezeichnung Meier abgeleitete Hausname lautete eigentlich 'Meiers'.
Die Beifügung des Buchstaben -s an den eigentlichen Namen ist ein häufiger
Brauch, vgl. NICKEL(S), PETER(S), NEY(S), JOHANN(S), ENGEL(S).
Ein sehr häufiger Hausname für den Hof des Meiers war 'a Meesch' oder 'a Meisch'.
Hier liegen echt luxemburgische Lautungen vor. Anfangs bezeichnete man das Meierhaus
mit der Benennung 'a Meiësch'. Die Endung '-ësch' gilt in vielen Fällen als
Hausnamenendung. Einige Beispiele seien auch hier genannt: PETESCH, MÜLLESCH,
LAMESCH, HENGESCH.
Die Bequemlichkeit und Hastigkeit in der Aussprache liessen das 'ë' verstümmeln,
so dass bloss das einsilbige Wort 'Meisch' übrigblieb. Das Haus eines gewesenen
Meiers wird 'Altmeisch' genannt.
Der Name MEISCH ist in ausländischen Namensverzeichnissen nicht zu finden. Wohl
wird er in einem belgischen Verzeichnis erwähnt, aber nur auf die Ortschaften
Meisse und Meix-lez-Virton zurückgeführt.
Den Familiennamen MEIS, MEYS, MAES und MESS sollte man nicht mit MEISCH in Zusammenhang
bringen. Diese Formen sind meistens aus Kurzformen des Vornamens Bartholomaeus
entstanden, indem man nur die zwei letzten Silben verwendete. Tatsächlich sind
auch die Formen MASS, MAIS, MEIS, MEYS und MEUS im Luxemburger Land anzutreffen.
Über die Häufigkeit des Familiennamens MEISCH und einiger verwandter Formen
soll folgende Tabelle Aufschluss geben [vgl. STATEC: Die Luxemburger und ihre
Familiennamen. 1984]
NAME |
1880 |
1984 |
NAME |
1880 |
1984 |
MAJERUS |
796 |
905 |
ALTMEISCH |
37 |
15 |
MAJERES |
19 |
110 |
BOURGMEYER |
5 |
25 |
MAJERY |
24 |
19 |
BRIMEYER |
63 |
56 |
MEYER |
626 |
898 |
DENNEMEYER |
29 |
22 |
MEYERS |
469 |
768 |
FEDERMEYER |
41 |
39 |
MEIER |
33 |
67 |
GROMMES |
10 |
45 |
MEIERS |
84 |
99 |
KARMEYER |
11 |
7 |
MAIER |
3 |
20 |
KERSCHENMEYER |
4 |
47 |
MEYRER |
34 |
40 |
KETTENMEYER |
63 |
48 |
MEISCH |
138 |
137 |
NEUMASER |
0 |
8 |
Der Name MEISCH reiht mit 137 Namensträgern
an 354. Stelle von insgesamt 13.388 verschiedenen Familiennamen in Luxemburg im
Jahre 1984. Er gehört damit zur Gruppe des 500 häufigsten Familiennamen des Großherzogtums.
Würde man die Gesamtzahl aller Personen berechnen, welche einen Namen aus der
etymologischen Gruppe der 'Meier' tragen, so käme man auf die stattliche Zahl
von 3.516 Namensträgern. Diese Gruppe nähme hinter dem häufigsten Familiennamen
überhaupt, SCHMIT mit 3.617 Trägern, den 2. Platz insgesamt ein.
Das Vorkommen des Namens MEISCH (MEYSCH) konnte vor 1800 in folgenden Ortschaften
festgestellt werden: Bivinger Mühle 1790, Buschdorf 1783, Helmdingen 1775, 1785,
Hobscheid 1779, Rollingen 1772, Sassenheim 1781, Tüntingen 1790, Weiler (Pütscheid)
1786.
(1). Es handelt sich bei diesem Beitrag um den erweiterten Wiederabdruck eines
Kapitels aus dem Aufsatz von Emile ERPELDING: Die Kehrmühle bei Hoscheid. In:
Broschüre HOSCHEID (1987), 5.146-148. [Genealogische Bibliogra
NB: Den Emile ERPELDING ass den 9. März 1999 gestuerwen. Hie war de Spezialist vun de Millen am Lëtzebuerger
Land an huet en déckt Buch vun 800 Seiten iwwer d'Millen am Lëtzebuerger
Land geschriewen "Die Mühlen des Luxemburger Landes". Dest Buch
ass bei der 'Editions Emile Borschette vu Chrestnech' 1988 erauskomm. Den Emile
ERPELDING huet bis zu sengem Doud 10, rue Joseph Biwer um Senningerberg gewunnt.
(PM, 2005-10-31)
|